Bevor die Feste beginnen, fliege ich nach Marokko. Ich verbringe Weihnachten, meinen Geburtstag und Silvester im engen, klitzekleinen Freundeskreis, in einem moslemischen Land und zum Teil in der Wüste. Ich freue mich sehr darauf?
Am Ende des Jahres feiere ich einen runden Geburtstag. Ich werde siebzig. Damit beginnt für mich nicht nur ein neues Jahrzehnt und wahrscheinlich meine letztes, sondern auch ein neues Chakra wird die Vorherrschaft in meinem Leben übernehmen.
Das 4. Chakra Anahata steht für Liebe und Mitgefühl. Ich bin gespannt!
Warum fliehe ich und was stört mich an diesem Fest?
Im Fernsehen laufen jeden Abend die Weihnachtsfilme. Immer läuft es darauf hinaus, dass sich alle lieb haben und es wunderschön harmonisch ist, wenn sie unter dem Tannenbaum stehen.
Das Fest der Liebe ist ein Konsumfest. Vielleicht können die Menschen ihre Liebe nur mit Materiellem ausdrücken. Aber auch das ganze Rumtata umzu – entweder man lacht darüber oder zieht sich zurück.

Die Spielregeln des Lebens
Ihr kennt ja bestimmt alle die „Spielregeln des Lebens“ von Rüdiger Dahlke. Es sind geistige Gesetze, um Menschen zu helfen, Leid zu vermeiden und ihr volles Potenzial zu entfalten, indem sie Prinzipien wie Polarität, Resonanz und das Gesetz des Anfangs verstehen und im Einklang mit ihnen leben, anstatt sich von Ausreden blockieren zu lassen.
Ich gehe zum Anfang
Selbstverständlich, in meiner Kindheit, hatte ich zwar schon von Jesus gehört, aber wusste nicht so recht, wer es sein sollte. Meine Familie ist evangelisch. Meine Mutter hatte zwar, wenn sie die Zeit fand mich in Bett zu bringen, mit mir gebetet. Das heißt wir haben zusammen ein Gebet gesprochen: „Mein Herz ist klein …“, aber warum dieser Jesus, den ich nicht kannte, in meinem Herzen wohnen sollte, habe ich nie verstanden. Damals habe ich mir so einen winzigen Jungen vorgestellt, der in meinem Herzen wohnt.
Ich stamme aus einer Drogisten-Dynastie. Meine Eltern hatten eine eigene Drogerie. Das bedeutete in den 50igern und 60igern Jahren, das sie ihren Jahresumsatz quasi zur Hälfte im Dezember machten. Denn sie verkauften Weihnachtsdekoration, Kerzen und Parfum sowie Silvesterdekor, Scherzartikel, Feuerwerk und Knaller.
Da meine Mutter selbstverständlich mit im Geschäft arbeitete und über wenig Zeit mit der Familie verfügte aber ein perfektes Weihnachtsfest wollte, wurde bei uns schon 10 Tage vor Heilig Abend das Wohnzimmer als Sperrzone erklärt und abgeschlossen. So konnte sie in Ruhe abends das Zimmer dekorieren.
Der Aufenthalt von meinem kleinen Bruder und mir wurde also zehn Tage auf Küche und ein gemeinsames Kinderzimmer von 12 qm reduziert. Abends länger wach bleiben als der Kleine war nicht mehr erlaubt und Fernsehen auch nicht. Die Eltern waren gestresst und stritten sich dementsprechend viel. Es waren sehr lange zehn Tage!
Heilig Abend schaute ich oft aus dem Fenster. Ab und an kam ein Weihnachtsmann vorbei und brachte in manche Nachbarhäuser Geschenke. Natürlich bemerkte ich, dass es sich nicht immer um die selber Person handelte. Es ist schon komisch, das ein Kind am Heiligen Abend die Straßen beobachtet, aber erstens war ich ein sehr neugieriges Mädchen und zweitens hatten meine Eltern, wie immer keine Zeit. Bei uns war die Hölle los. Die Bescherung fand nie vor 20 h statt, denn der Laden hatte ja bis 18 h geöffnet und im Anschluss fand die Weihnachtsfeier mit dem Personal statt. Erst dann kam meine Mutter gestresst nach hinten in die Küche und fing an diesen entsetzlichen Karpfen mit Senfsoße zuzubereiten, den ich überhaupt nicht mochte. Der Tag zog sich bis zur Bescherung wie Gummi.
Nach dem Essen bescherten auch meine Eltern sich. Meist war meine Mutter bitter enttäuscht über das Geschenk meines Vaters, der gerne einen Tag vor Weihnachten in der Mittagspause schnell in die Stadt fuhr, um noch irgendetwas für meine Mutter zu kaufen. Ein teures Kleid, was ihr nicht stand oder nicht passte, einen Pelzmantel, der viel zu teuer war oder nur eine Pralinenschachtel, mit der sie sich so gar nicht wertgeschätzt fühlte. Auch wenn sich nach ein paar Tagen herausstellte, dass eine der Pralinen eigentlich ein Diamantring war, hatte meinen Vater schon seine Beschimpfungen bekommen und sich betrunken.
Den 1. Weihnachttag lud meine Großmutter ihre drei Kinder mit Familie zum Brunch ein. Das empfand ich schön, weil ich meine Großmutter liebte, gerne bei ihr war und dort auch meine Cousinen und Cousins zum spielen hatte. Meine Mutter und mein Vater stritten sich schon auf der Fahrt dahin, denn meine Mutter fühlte sich scheinbar gar nicht wohl in seiner Familie.
Wenn alle betrunken und meine Großeltern müde waren fuhren wir wieder nach Hause.
Zuhause wartete enorme Arbeit, denn die restlich Weihnachtdekoration musste aus dem Laden geräumt und gut im Keller für das kommende Jahr eingelagert werden. Außerdem gab es vier Schaufenster, die auf Silvester umgestaltet werden mussten. Mein Vater hatte die Lizenz in der Gegend zum Verkauf von Feuerwerk.
Halleluja!
Die Polarität – alles hat zwei Seiten
es ist notwendig beide zu betrachten und zuzulassen, denn es ist notwendig für ein Gleichgewicht. Man muss lernen, die Gegensätze zu akzeptieren
Es war zwar schön Geschenke zu bekommen, aber die damit verbundene Arbeit stand für mich nie in einem Verhältnis zueinander. Die wunderbare Dekoration stand auch nicht im Verhältnis zur Stimmung.
Am 2 Weihnachtstag gab es die Ganz, denn meine Oma, Mamas Mutter, hatte Geburtstag. Sie wohnte in einem klitzekleinen Haus mit einem Ofen in der Stube, den sie immer so doll beheizte, damit wir nicht frieren, das wir schon nach kürzester Zeit alle rote Köpfe hatten. Spielen konnten wir nicht in dem vollgestopften kleinen Wohnzimmer mit dem 6 Personen am Tisch. Es war noch nicht einmal möglich, um den Tisch herum zu laufen.
Mein Bruder und ich waren immer froh, wenn es wieder nach Hause ging und wir endlich dort mit unseren neuen Sachen spielen durften.
Als wir älter waren, haben wir natürlich im Geschäft geholfen. Ich war schon früh geschickt und kreativ. So konnte ich gut im Hinterzimmer Geschenke einpacken, später habe ich die Schaufenster dekoriert und ab 14 mit verkauft. Mit 16 Jahren ging ich nach der Bescherung und meine erschöpften Eltern auf dem Soja saßen lieber in die Disko und tanzte mir den Frust ab.
Am 27. Dezember ging es wieder los. Die Knaller wurde verkauft. Die Schlangen draußen vor dem Laden war lang und wir standen mit 5 Leuten hinter dem Tresen.
Am 30. Dezember habe ich Geburtstag. Meine Mutter hat sich immer bemüht mir einen schönen Tag zu bereiten, aber Zeit hatte sie nie Wirklich. Sie war gestresst. Im Nachhinein bewundere ich sie für ihre Kraft und Durchhaltevermögen.
Silvester habe ich schon als Kind gehasst. Es stank wie in der Hölle und die Menschen spielten verrückt und waren betrunken. Auf diese Fest konnte ich ebenfalls verzichten.

Resonanz mit dem Glauben
Indem ich älter wurde und ab meinem 6. Lebensjahr auch Biblische Geschichte in der Schule hatte, wusste ich auch irgendwann, wer Jesus war und dass an Weihnachten sein Geburtstag gefeiert wird.
Da ich wie gesagt sehr neugierig war – denn ich war ja ein Mädchen und die sind eben neugierig nur Jungs sind wissbegierig – wollte ich eigentlich mehr über dieses Ereignis, also über Jesus und alles was damit zusammenhängt, wissen. Es stellte sich heraus, das niemand wirklich wusste, wann Jesus geboren war. Denn seine Geschichte ist erst viele hundert Jahre nach seinem Tode aufgeschrieben worden. Und wir kannten ja alle das Spiel „Stille Post“. Auch fragte ich mich was der Tannenbaum mit Jesus zu tun hatte. Wäre nicht eher eine Palme das Symbol, denn Jesus ist ja in Bethlehem geboren. Auch die Fragen zu den Osterbräuchen konnte mir niemand beantworten.
Als ich dann zum Konfirmationsunterricht kam und weiter Fragen stellte, wie:
Es heißt du sollst keinen Gott neben mir haben und warum beten dann die Protestanten zu Jesus und in Italien, wo ich meine Sommer verbrachte, die Frauen zu Maria? Haben die Christen drei Götter, zwar weniger als die alten Römer und Germanen, aber immerhin noch drei!
Warum haben Frauen keine oder weniger Rechte? Warum sind wir die Töchter von oder die Ehefrauen von…. ? Warum ist eine geschiedene oder unverheiratete Frau nicht wert. Obwohl sie ihr eigenes Geld verdient? Warum dürfen Männer Spaß am Sex haben, Frauen aber nicht? Wieso sollen sie die Liebe als Pflicht empfinden? Ich wollte niemals heiraten, was die Frauen in meiner Familie über die Ehe erzählten, fand ich grausig. Das ginge aber nich sagte meine Großmutter.
Warum segnete die Kirche die Kampf-Flugzeuge im Krieg, obwohl diese den Tod für tausende Menschen brachten? Was ist mit der Hexenverbrennung? Dem Ausrotten der Indianer? Der Verschleppung und Versklavung von den Schwarzen? Der Unterwerfung und Ausbeutung der viler Menschen in der dritten Welt? Und warum meinen die Christen alles besser zu wissen und andere zu missionieren?
Mein Pastor war mit mir überfordert und völlig genervt. Er konnte mir keine Antworten geben und mich nicht vom Christentum überzeugen. Er hat mich gegen seine und meine Überzeugung konfirmiert. Ich glaube meine Mutter hat ihn geschmiert. Er wollte es nicht tun und ich wollte es auch nicht. Aber es gehörte sich so!
Später mit den Kindern haben wir dann doch Weihnachten nicht ausfallen lassen, aber es gab nie Stress! Wir haben zusammen gegessen, oft in der Großfamilie, jeder hat etwas dazu beigetragen. Es gab keine Bescherung, dafür haben wir gewichtelt und somit einen harmonischen, gemütlichen Familieabend verbracht. Jetzt haben alle Kinder eigene Familien, wohnen zum Teil weit von einander entfernt und jeder macht es so, wie sie oder er es will. Die einen feiern, die anderen nicht!

Selbst gefundene Lösungen
eute weiß ich natürlich, dass die Christen, die gerne die Germanen und weitere Völker im Norden missionieren wollten, konnten ihnen ihre Feste nicht austreiben. So wurde einfach Jesus Geburt und seine Kreuzigung und Auferstehung auf die bestehenden Feste gelegt hat. So konnten die Menschen weiterhin das Lichterfest in den dunkelsten Tagen des Jahres feiern indem sie einen Tannenbaum mit Kerzen schmückten, um das Licht und die Freude in die Stube zu bringen. Das Osterfeuer und die Ostereier, die Symbole des Frühlingsfestes blieben auch bestehen. Außerdem gab es immerhin noch drei Götter, wenn man Maria und Jesus einfach neben Gott setzt.
Meine Mutter schimpfte noch Jahre später, dass ich eine Heidin wäre, weil ich keinen Weihnachtsbaum hätte. Sie hat es nie verstanden.
Ich auch nicht!
Ich glaube an Gott.
Für mich gibt es nur einen, egal wie die Menschen ihn nennen. Wir haben alle den selben Gott! Ich bete täglich und ich fühle mich gut aufgehoben im Sikhismus.
Hier gibt es keine Priesterklasse, dafür gibt es eine Welt-Schwestern -oder Bruderschaft. Keiner ist besser oder schlechter als der andere. Die Sonne scheint auch auf alle, egal wie nett sie/er ist.
Männer und Frauen sind gleichberechtigt und beide gleich wertvoll. Wir schätzen uns alle gegenseitig und unterstützen uns. Seva ist eine Selbstverständlichkeit, die ich sehr gerne erbringe und Geld verdienen, ist auch keine Sünde.
Sat Nam Wahe Guru