Dieses Jahr bot mein Yogaverband 3HO eine kleine spannende Rundreise durch Nordindien, bis zu den Ausläufern des Himalayas an. Es sollte eine spirituelle Reise werden, die uns von den Sikhs über die Hindus zu den Buddhisten führen würde.
- Eine Anreise mit Umwegen
- Amritsar und der goldene Tempel
- Katra und die Pilgerwanderung zu Mata Devi
- Die Fahrt zum Kangra-Tal und der versteckte Krishna
- Palampur, Himachal Pradesh – die Teeplantagen und die Dörfer der Buddhisten
- Dharamsala und das Gespräch mit der deutschen Nonne statt mit dem Dalai Lama
- New Delhi und Old Delhi
- Rishikesh – Bollywood und die Erholung im Wellnesshotel
- Die Rückreise
1. Eine Anreise mit Umwegen
Es war nicht wirklich einfach. Meine Mutter feierte ihren 95igsten Geburtstag gerade dann, als die Gruppe sich auf den Weg nach Indien machte. Am 22. sollten wir uns in Delhi treffen. Am 24. ginge es weiter nach Amritsar. OK dachte ich, der Geburtstag am 21. ist wichtig für Mama, also feiere ich mit ihr und fahre dann am 23. April mittags mit dem Zug nach Frankfurt, direkt bis zum Flughafen, checke ein und fliege über Nacht nach Delhi, habe dort morgens einen Anschlussflug nach Amritsar und treffe noch vor der Gruppe dort ein. Wunderbar!
Gedacht, getan. Ich flog von Alicante nach Bremen. Wir feierten mit der gesamten Familie den Ehrentag meiner Mama und am 23. setzte ich mich voller Vorfreude in den Zug nach Frankfurt zum Airport. Noch im Zug erhielt ich die Meldung, dass mein Flug gecancelt sei. Ich wurde auf den nächsten Flug, morgens um 8 Uhr umgebucht. Was nun, ich musste mir ein Hotel am Flughafen suchen. Es gibt dort viele, in allen möglichen Preislagen. Ich buchte ein einfaches Haus, so nah wie möglich. Trotzdem musste ich ein Taxi nehmen, weil es keinen Fußweg zum Flughafen gibt.
Die Umgebung des Flughafens ist eine richtige kleine Yuppie-Stadt und dementsprechend gibt es hippe Restaurants. So konnte ich noch erstaunlicherweise eine Gemüse-Bowl verspeisen, aber meine Nacht war kurz und unruhig. Um 5 Uhr stand ich auf, verließ das Hotel, um ein Taxi zu nehmen. Zum Glück wusste der Taxifahrer von welchem Terminal Air India fliegt. Dort wurde mir mitgeteilt, dass ich 600 € erstattet bekäme. Das wäre super, freute ich mich, denn wegen des Krieges in der arabischen Region hatte ich zwei Rückflüge gebucht und so würde mir einer erstattet, Juhu!
Vor langer Zeit hatte ich den kürzeren und kostengünstigeren Flug über Abu Dhabi nach Madrid gebucht. Doch inzwischen war ich mir unsicher, ob dieser Weg noch sicher ist und hatte einen zweiten Rückflug über Frankfurt dazu gebucht. Viele Flüge über Dubai, Doha und Abu Dhabi wurde derzeit gecancelt. Das pubertäre Verhalten von Israel und Iran, der eine fühlt sich bedroht und der andere antwortet ebenfalls mit einer Bombardierung als Rückdrohung. Für mich sind diese Irren schon lange nicht wirklich erwachsen. Dazu kommt noch dieser völlig verrückte amerikanische Präsident, der Israel unterstütz und damit einen 3. Weltkrieg provoziert. Schon hatte die Bombardierung der Emirate, die ja Verbündete der Amerikaner sind begonnen. Der Krieg brachte nicht nur die Flugpläne durcheinander, sondern auch unsere Flugzeit betrug jetzt zehn Stunden statt acht. Die Flugzeuge fliegen einen größeren Bogen um das Kriegsgebiet herum. Das war auch sinnvoll!
Mein Flug war sehr entspannt, das Flugzeug nur halb voll. Ich hatte die gesamte Sitzreihe für mich und konnte mich ein wenig bewegen. Der Service ist immer sehr gut bei Air India und so kam ich recht gechillt in Delhi am Abend an. Leider gab es keinen Flug mehr nach Amritsar. So musste ich auschecken und wieder einchecken. Also Koffer abholen aus dem Gebäude raus, zu einem anderen Terminal rollen und dort meinen Koffer wieder aufgeben. Um 4 Uhr morgens sollte wir nach Amritsar starten. Ich verbrachte also die Nacht auf dem Flughafen. Ich wanderte dort herum, draußen und drinnen, kaufte mir einen Tee und dann noch einen, besuchte das Bad, schaute mir diverse Läden an, ohne wirkliches Interesse, denn eigentlich wurde ich immer müder. Eine Stunde vor Abflug ließen sie uns zu unserem Gate, doch dort war so wenig Platz, dass es keinen Sitzplatz mehr gab. Ich war so froh endlich auf meinem Platz im Flieger zu sitzen, dass ich dort sofort eindöste. Doch die Flugzeit beträgt nur eine gute Stunde.
In Amritsar verließ ich das Flughafengebäude und wegen der frühen Stunde standen im Nu 20 Taxifahrer um mich herum und buhlten um meine Aufmerksamkeit. Ich ließ sie diskutieren und sie untereinander entschieden, wer mich fährt.
Mein Taxi war etwas schrottig, aber tüchtig geputzt. Der Taxifahrer zeigte mir seine Fahrtkünste und sauste die Straßen entlang. Ich war so glücklich aus dem Fenster zu schauen und wieder in Amritsar zu sein. Ich sog Indien quasi auf. Unser Hotel liegt am Anfang der Fußgängerzone, die zum Tempelgelände führt. Ich war froh, so müde wie ich war, ein bekanntes Hotel zu betreten und in der Empfangshalle Danveer, unseren Guide zu treffen. Vasiliki, mit ihr teilte ich mir das Zimmer, war zum Glück schon wach. Wir begrüßten uns, ich sprang kurz unter die Dusche, eine Wohltat, legte mich hin und war sofort eingeschlafen. An diesem Morgen gab es weder Yoga noch Frühstück für mich.

2. Amritsar und der goldene Tempel
Wie im letzten Jahr verzauberte mich Amritsar und der goldene Tempel erneut. Die spirituelle Atmosphäre dort ist wie ein Rausch. Es ist fast unwirklich. Ich umwanderte das riesige Wasserbecken, in dem der Tempel steht, ich saß und meditierte unter dem Schlafbeerenbaum mit Blick auf den Tempel und bin immer wieder tief beeindruckt.
Auf dem Tempelgelände gibt es eine Küche und zwei Speisesäle. Hier werden täglich 25.000 Essen an die Gläubigen herausgegeben. Auch dieses Mal wollten wir Seva leisten. Letztes Jahr spülte ich mit den Inderinnen Geschirr und in diesem Jahr war ich in der Backstube. Dort rollte ich Chapati. Die Inderinnen nahmen die kleinen Teigkugeln und machten mit Hilfe des Nudelholzes runde Fladen, die dann ausgebacken werden. Ich schwitzte in der warmen Backstube neben den Inderinnen und gab mein Bestes, jedoch meine Chapatis waren oval oder unförmig und fransig. Sie lachten über mich und formten meine merkwürdigen Fladen wieder zu Kugeln, um sie erneut auszurollen. Ich war einfach zu ungeübt!
Unser zehnter Guru ist ein großes Buch. Das heilige Buch heißt Guru Granth Sahib. Es gilt als der ewige, lebendige Guru und enthält viele Hymnen der Sikh-Gurus und anderer Heiliger in Gurmukhi-Schrift. Der 9. Guru, Gobind Singh ernannte es 1708 zum unsterblichen Nachfolger, weshalb es wie ein König behandelt und verehrt wird. Es wird abends so geben 11 Uhr mit einer Zeremonie ins Bett gebracht und morgens gegen 3 Uhr wieder zurück in den goldenen Tempel. Beide Zeremonien haben wir dieses Jahr miterlebt. Unglaublich viele Sikhs nachts anwesend waren, um ihm singend zu geleiten. Es war sehr spirituell und machtvoll, Gänsehaut pur.
Amritsar hat außer dem Tempelgelände nicht sehr viel zu bieten. Es gibt eine Fußgängerzone um das Tempelgelände herum mit vielen bunten Läden, ein Museum zur Stadtgeschichte und einen sehr schönen versteckten, geschichtsträchtigen Park. Hier hinein sind 1919 während einer friedlichen Demonstration (Sikhs, Hindus und Moslems), die gegen die Inhaftierung ihrer Führer protestierten, geflohen. Sie wurde von den Engländern einfach niedergeschossen, wenn sie sich nicht vorher in den unendlich tiefen Brunnen gestürzt hatten.
Viel Spaß hatten wir in diesem Park mit einer von unseren Teilnehmerinnen, die in Yogaklamotten, Leggins und Top, mit uns Yogis durch die Stadt zog. Sie hatte gedacht, sie ginge auf eine Yoga-Reise und hatte eben nur Yoga-Outfits dabei. Weil sie blond ist und uns auch noch überragte, war sie die Attraktion für Inder und gefühlt jeder zweite wollte ein Foto mit ihr. Sie konnte sich kaum vor ihnen retten.
3. Katra und die Pilgerwanderung zu Mata Vaishno Devi
Nach vier Tage brachen wir auf Richtung Katra, der Basisstadt für den berühmten Pilgerweg zum Mata Vaishno Devi Tempel im Trikuta-Gebirge in Kashmir. Der Schrein liegt in einer Höhle auf ca. 1600 Höhe, die über einen etwa 13 km langen Aufstieg zu erreichen ist. Der Pilgerweg zieht jährlich Millionen von Anhängern an, die die Göttin (eine Manifestation von Kali, Lakshmi und Saraswati) verehren und sich erhoffen, dass sie ihre Wünsche erfüllt.
Die Pilgerreise ist für viele ein tiefgreifendes spirituelles Erlebnis. So war es auch für uns 20 Westler, die mit den gefühlten 150 tausend Indern wanderten. Es war nicht einfach für unseren Guide überhaupt eine Genehmigung für uns zu erhalten. Normalerweise gibt es hier keine Westler. Nur weil er mehrmals Bitschreiben geschickt und uns als weit spirituell fortgeschritten bezeichnet hatte, ist es ihm gelungen. Wir wussten nicht, was auf uns zu kam (zum Glück) wir kannten nur die Geschichte von Mata Devi, die sich aus Südindien kommend in diese Höhle zurückgezogen hatte.
Uns in Katra zu registrieren war die zweite Hürde, d. h. wir mussten unsere Pässe vorlegen und wurden dort in eine Liste eingetragen. Weil ein so großer Andrang herrschte, hat sich ein kleiner energischer, Testosteron gesteuerter, indischer Mitarbeiter um uns bemüht. Er fühlte sich sehr stark und führte uns durch einen merkwürdigen Hintereingang, an allen anderen vorbei, zur Registration. Während wir ihm folgten und immer wieder seinem Ruf „Jai Mata Di“ erwiderten, ließ er sich mehrmals mit uns fotografieren. Wir erhielten unser Registrierband, was man sich um den Kopf band und durften uns nach der Taschenkontrolle (wie im Flughafen) auf den Weg machen.
Mit dem Wort „Pilgerweg“ zu einer Höhle, hatte ich an einen schönen Bergweg gedacht. Doch dem war nicht so! Es ist ein eingezäunter, betonierter Weg, der sich nach oben schlängelt. Beschallt mit Bajans und nach jedem Kilometer wurde wir von Trommler angefeuert. Immer wieder riefen die Leute sich „Jai Mata Di!“ zu. Junge, Alte, gebrechliche, Frauen mit Babys und kleine Kinder, ganze Familien, Geschäftsleute, manche Barfuß, in Flipflops oder zu in zu großen Turnschuhen. Alle waren auf dem Weg. Es war unglaublich. Mit den Menschenmassen wanderten wir, jeder in seinem Rhythmus nach oben. Die, die nicht mehr laufen konnten, ließen sich in einer Sänfte von sechs Männer hochtragen. Auch gab es Männer, die die Fußkranken in verstärkten Kindersportkarren nach oben fuhren. Natürlich gegen Bezahlung. Am Rand des Weges gab es Restaurants und Café-Buden. Man musste wirklich sehr spirituell sein, um diesen Weg meditativ nach oben zu steigen und den Wahnsinn um einen herum auszublenden oder sich einfach mittreiben zu lassen. Unterwegs traf ich Inge, auch eine Teilnehmerin aus unserer Gruppe. Wir hatten den gleichen Tritt und wanderten die 2. Hälfte zusammen. Da wir 1,5 Stunden vor dem Rest der Gruppe oben ankamen, freute ich mich dort nicht alleine warten zu müssen, denn wir waren ziemlich erschöpft. Auf dem letzten Km gab es natürlich nichts mehr zu kaufen, weder Getränke noch etwas zu Essen. Außer einem Müsliriegel und einem Kaffee, den wir unterwegs getrunken hatten, hatte ich noch nichts zu mir genommen. Leider bekommt mir das indische Frühstück nicht. Morgens schon Dal und Reis geht gar nicht. Ich kämpfe eh immer mit Durchfall in Indien und wenn ich morgens schon Reis essen würde, wäre es bestimmt noch schlimmer. Da ich aber auch kein Gluten vertrage (hat eine ähnliche Wirkung bei mir), kann ich auch nicht englisch Toast mit Marmelade essen. Auch Milch verursacht mir Übelkeit und es gibt meistens Tee oder Kaffee mit Milch. Ich war also erschöpft und hatte Hunger. Die Wartezeit auf dem Betonboden sitzend, war lang. Endlich kamen die anderen und wir mussten wieder durch die Taschenkontrolle, um in den Innenbereich des kleinen Bergdörfchens zu gelangen.

Hier herrschte ein unglaublicher Trubel. Es gab Fressmeilen und Pilgerunterkünfte. Es ging zu wie auf dem Jahrmarkt und die Stimmung war euphorisch. Weiterhin riefen alle mit großer Freude „Jai Mata Di“ und wir antworteten dem Ruf. In einem riesigen Selbstbedienungsladen kauften wir uns etwas zu essen. Dummerweise kenne ich die Lebensmittel nicht auf englisch und bin immer etwas aufgeschmissen mit den indischen und englischen Begriffen. Ich bestellte mir etwas mit Gemüse und Salat, weil ich so ein Bedürfnis nach etwas Frischem hatte, erhielt aber wieder Dal und ein wenig gebratenes Gemüse, dazu Chapati, die ich ja eigentlich nicht essen kann. Die Portion war sehr klein, mehr wie eine Tapa, aber immerhin hatte ich etwas gegessen. Danveer hatte auch dafür gesorgt, dass wir eine Unterkunft im Pilgerhotel hatten. Wunderbar, wir bekamen zu fünft ein eigenes Zimmer mit einem Doppelbett und einer Couch; Die Luxusvariante. Viele Inder lagen überall draußen und in den Fluren einfach auf dem Boden. Das gesamte Bergdörfchen ist nachts hell erleuchtet. Vor unserem Fenster blinkten die Lampen in den Chakra Farben. Die Geräuschkulisse der tausenden von Menschen war groß aber noch intensiver die Energie, die ich spürte. Ich kam nicht wirklich zur Ruhe in dieser Nacht. Auch begann sich in dieser Nacht der eine oder andere nicht wohl zu fühlen.
Morgens bekamen wir ein indisches Frühstück und dann sollte es endlich in die heilige Höhle gehen. Ich war gespannt. Zu der kleinen Höhle im Berg führt ein langer schmaler Gang. Im Gänsemarsch, eng hintereinander schoben wir uns langsam zum Heiligtum vor. Eigentlich gab es nicht zu sehen, außer drei geschmückten Hügelchen und schon waren wir dran vorbei und wieder draußen. Hier erhielten wir unser Prasad. Und das war es.
Wow, so viel Aufwand für so einen kleinen Moment? Oder war es doch ein großes spirituelles Erlebnis?
Natürlich hatte ich meinen Wunsch an Mata Devi formuliert. Das Wollbändchen, was ich u.a. im Prasad fand, trage ich noch immer an meinem Handgelenk. Mata Devi begann sofort an meinem Wunsch zu arbeiten, an meiner Verdauung und an meinem Bauchweh. Es geschah erst einmal eine große Reinigung (den totalen Durchfall) und bis heute spüre ich ihre Arbeit in mir.
Wir machten uns an den Abstieg und, schlugen dieses Mal den alten Weg ein. Er war ebenfalls betoniert und vergittert, aber viel schmaler. Außerdem kamen hier zu den Sänften und Sportkarren noch Pferde dazu. Die Tiere galoppierten mit ihren oft unkundigen Reitern zwischen den Fußgängern rauf und auch runter, so dass ich mich ein paarmal mit einem Sprung an den Zaun retten musste. Wieder bewältigten Inge und ich gemeinsam den Abstieg. Unserer Schritte waren einfach gleich! Unsere Bedürfnisse ebenfalls. Jede zweite Toilette war meine. Zwischendurch fing es an zu gewittern und zu regnen. Der Pferdemist wurde durch die Nässe zu einer braunen klebrigen Masse, in der ich ausrutschte.
Etwas lädiert kamen wir am Ende des Weges an und sollten wieder warten. Hier gab es einen ungefähr 3 Kilometer langen Markt zu beiden Seiten des Weges. Man konnte alles kaufen, was das Herz begehrte. Es roch verführerisch nach Essen. Ich hatte mal wieder Hunger, traute mich aber nicht etwas zu kaufen. Bunte Stoffe, Souvenirs, Marktschreier und der Weg eng gedrängelt, voller Menschen, Sänften, Pferde …. So stelle ich mir das Mittelalter vor. Leider war ich schon wieder extrem erschöpft, konnte es nicht wirklich genießen und wollte nur ins Hotel und ins Bett. Dort endlich angekommen, habe ich 10 Stunden geschlafen, dann gut gegessen und mich langsam wieder als Mensch gefühlt.

4. Die Fahrt zum Kangra-Tal und der versteckte Krishna
Fast alle in unserer Gruppe hatten Erschöpfungsanfälle und mit Verdauungsproblemen zu kämpfen. Mit unseren Bussen fuhren wir nach einem Erholungstag weiter. Zwei Personen mussten wir zurücklassen, weil es ihnen extrem schlecht ging. Die Fahrt ging von Katra entlang der „Foothills der Himalayas“ bis in das liebliche Kangra-Tal. Es waren nur 230 km, aber es dauerte 10 Stunden bis wir ankamen. Wir fuhren die gesamte Strecke auf einer Baustelle mit ca. 20-40 km/h.
In Katra und auch auf der Fahrt waren die Straßen sehr mit Müll verdreckt. Bis heute verstehe ich nicht, warum die so reinlichen Inder all ihren Plastikmüll einfach aus dem Fenster werfen. Ob hinter das Haus oder aus dem Autofenster. Es liegt alles voll. Ist es Desinteresse oder Überforderung? Ich denke ich brauche noch ein wenig, um es zu verstehen.

Die Landschaft veränderte sich und in Pradesh wurde es auch viel sauberer als in Kashmir.
Zum Glück gab auf unserer endlosen Fahrt zwei Pausen. Eine Teepause im Garten eines sehr schönen Hotels. Wir lagen auf der Wiese schauten in den blauen Himmel und tranken unseren Tee.
Unsere zweite Pause führte uns zu einer Ruinenstadt, Nidhivan (Uttar Pradesh). Sie gilt als ein heiliger und besonders geheimnisvoller Ort, an dem Krishna und Radha ihre nächtlichen Tänze aufführen sollen. Auch die Bäume rundherum sollen tagsüber Gopis sein, die sich nachts in ihre wahre Gestalt verwandeln, um zu tanzen. Die Bäume sind merkwürdig verdreht, wachsen in Paaren und ihre Äste beugen sich nach unten, was die verwobenen Paare symbolisieren soll. Im Tempel befindet sich auch ein Bett, wo Krishna und Radha nach dem Tanz ruhen sollen. Jeden Abend bereiten Priester das Bett vor und stelle Süßigkeiten und Wasser auf. Am nächsten Morgen werden die Speisen oft als teilweise verzehrt und das Bett als benutzt vorgefunden.
Das Gelände ist nachts verschlossen und es heißt, dass auch die Tiere, Affen und Vögel das Gelände nach Sonnenuntergang verlassen.
Ich mag diesen singenden und tanzenden Gott, hat er doch immer etwas Schalk in den Augen und macht sich ein wenig über unsere Anstrengungen lustig.
In der Abenddämmerung erreichten wir dann endlich unseres prächtiges Heritage-Hotel. An der Rezeption wartete ein Arzt auf die vielen Kranken in unserer Gruppe. Wir checkten ein. Vasiliki und ich hatten ein herrliches Zimmer und es wartete auf uns ein „Diätessen“.
5. Palampur, Himachal Pradesh – die Teeplantagen und die Dörfer der Buddhisten
Unser Hotel Taragarh Palace ist ein traumhaft gelegenes Haus mit verwunschenen Plätzen im paradiesischen Garten. Es liegt in der bergigen Landschaft und im Hintergrund sind die schneebedeckten Berge des Himalayas zu sehen. Das prächtige Anwesen ist etwas ungepflegt und teils reparaturbedürftig. Es liegt mitten in einem Arjuna-Wald. Ich wusste gar nicht, dass diese heiligen Bäume so riesig werden. Die Affen waren hier besonders frech und manchmal schossen die Mitarbeiter mit Luftgewehren in die Luft, damit sich die Affen erschrecken und weglaufen. Affen werden niemals getötet, denn sie sind die Kinder Hanumans. Der ehemalige Besitzer war ein Maharadscha und das Haus hat sehr viel prominente Gäste gesehen. Es gibt riesige Zimmer und Bäder und auch nette Salons für Empfänge. Wir haben unseren Aufenthalt hier sehr genossen und die Gruppe konnte sich etwas regenerieren. Für mich war das Größte, dass ich endlich ein Fenster in unserem Zimmer öffnen konnte. In den vorherigen Hotels waren die Fenster alle verschlossen und die Zimmer nicht zu belüften, was mir immer einen morgendlichen Kopfschmerz einbrachte.
Merkwürdiges widerfuhr mir nachts. Wenn ich ins Bad ging, saß dort eine handgroße Spinne. Ich freute mich nicht sie zu sehen, es gruselte mich der Gedanke, dass sie unter der Badezimmertür durch krabbeln könne und zu mir ins Bett käme. Morgens war sie verschwunden. Vasiliki und das Personal sahen sie nie. Der Manager meinte, sie würde mir Glück bringen.
Ich war glücklich! Wenn ich morgens, inzwischen alleine im Garten Yoga praktizierte, auf die schneebedeckten Berge schaute und dem Vogelgesang lauschte, war so viel Freude in mir. Einmal kam eine wiederkäuende Kuh, scharte im Blumenbeet und glotzte mich interessiert an. Auch die Affen beobachten mich, doch der Boy trieb alle immer wieder von mir weg.
Während die Gruppe weiterhin größtenteils Diät aß und untereinander Pillen tauschte, machten wir uns zu zweit und dann auch noch mit einer kleinen Gruppe auf den Weg und erkundeten die Umgebung. Rundherum gab es zahlreiche Teeplantagen und zwei kleine Dörfer, wo Menschen lebten, die auf den Plantagen arbeiteten. Sie luden uns zum Tee ein, zeigten uns, wie sie lebten und erzählten, dass sie Lipton belieferten und dieses große Teekonzern doch sehr die Preise drücken würde. Erstaunt hat mich, dass diese Dörfer eine ganz andere Architektur hatten, wie ich es aus Indien gewohnt war. Sie sind solide und fantasievoll gebaut, bunt angestrichen, sehr sauber, mit kleinen angelegten Gärten. Auch die umliegende Landschaft war sehr gepflegt.
Am dritten Tag unseres Aufenthalts machten wir eine Wanderung in ein etwas weiter oben gelegenes Dor, das sich um ein in der Mitte gelegenes Klostergelände angesiedelt hatte. Ja, nun waren wir im Buddhismus angekommen. Von weiten konnten wir schon die zahlreichen Gebetsfahnen sehen. Wir kamen zum Tempel und meditierten dort. Danach stiegen wir den Berg noch weiter hoch und besuchten einen Guru. Er hat mit uns auch meditiert und wir durften ihm Fragen stellen. Auf dem Abstieg kehrten wir noch in einem Café ein, wo es leckeren Ingwertee und selbstgebackenen Karottenkuchen gab. Daneben stellte ein Maler in einen eigenen Ausstellungsraum seine fantastischen Buddhisvatas aus. Ich erstand eine grüne Tara, die mir Gesundheit bringen soll.
Auch am nächsten Morgen fuhren wir auf dem Weg nach Dharamsala noch einmal in das Dorf, denn hier fand heute eine buddhistische Zeremonie statt. Wir durften uns an den Rand setzen und sie miterleben.
Das Leben hier bei den Buddhisten erscheint wohlhabender, friedvoller, und ruhiger.

Der Unterschied zwischen Yoga/Pantanjoli und Buddhismus:
Im Yoga fragen wir uns: „wie beruhige ich meinen Geist, damit ich meine Seele verstehe?“ und der Buddhist fragt: „warum leide ich und was ist dieses Ich eigentlich?
6. Dharamsala und das Gespräch mit der deutschen Nonne statt mit dem Dalai Lama
Dharamsala bedeutet Haus des Dharma (Pilgerhaus) und liegt wunderschön angeschmiegt an die Berge. Der einstig kleine Ort ist wohl in den letzten Jahrzehnten gewachsen. Er lebt hauptsächlich vom Tourismus. Der Dalai Lama ist 1959 aus Tibet hierher geflohen und wohnt etwas oberhalb des Ortes in McLeod Ganj. Er lebt hier mit Zustimmung der indischen Regierung unter vielen Tibetern.
Der Dalai Lama ist für mich immer noch die letzte Person auf dieser Welt, die sich offiziell für den Frieden ausspricht. Nun ist er schon über 90 Jahre. Wie wird die Welt wohl ohne ihn sein?
Er war zwar zu Hause, hat uns aber leider nicht persönlich empfangen. Es war aber trotzdem sehr interessant sein Wohnhaus und die Umgebung kennen zu lernen. Sein Wohnsitz ist im Quadrat gebaut, wie die Universitäten in Marokko, aber schmucklos. Auf der einen Seite des Innenhofs steht sein persönliches Haus mit einer Wache vor der Tür. Gegenüber befindet sich der Tempel und andere Veranstaltungsräume. Bevor man in den Tempel geht, umrundet man ihn und betätigt alle Gebetsmühlen und dann erst betritt man den heiligen Raum. Buddhistische Tempel empfinde ich als richtig gemütlich mit den vielen bunten Sitzkissen. Rot ist die vorherrschende Farbe, meine Lieblingsfarbe. Die Buddha-Statuen sind unglaublich und jede sieht anders aus. Rechts und links zwischen Wohnhaus und Tempel befinden sich die Zimmer der Klosterschüler. Im Hof konnten wir sie bei ihren Depattier-Übungen, die sie fast den gesamten Tag betreiben, beobachten

Unser Hotel lag noch höher im letzten Ortsteil. Dahinter gab es nur noch Berge und Wald des Himalayas. Leider hatten wir Pech mit dem Wetter. Es gewitterte immer wieder. Jedoch konnten wir morgens Yoga auf der Dachterrasse praktizieren. Von dort hatten wir einen herrlichen Blick. Wie auch aus jedem Zimmer! Dieser Ortsteil erinnerte mich an meine Jugend auf Ibiza. Freakige Leute, flippige Kleider, Yogaklamotten und Schmuck, dazwischen kleine schnuckelige Bars und Teehäuser.
Am nächsten Morgen streiften wir durch die Berge, kletterten hoch zu einem Wasserfall und genossen den weiteren Aufstieg ins Gebirge. Es gibt zahlreche Wanderwege. Das war der richtige ein Ort für mich, ein Wohlfühlort, fast wie Zuhause.
Von hieraus beginnen auch einige Treckingtouren, z.B. nach Tirund (3350 m) und zum Inderhara-Pass (4350 m).
In Lower Dharamsala gibt es einen phantastischen Park, in dem ebenfalls ein sehr schöner Tempel steht. In den angrenzenden Häusern befindet sich das Audienzzimmer des Dalai-Lamas mit einem angrenzenden Ruheraum, damit er sich zwischendurch erholen kann. Außerdem wird hier in den Nebengebäuden die alte, traditionale, tibetische Handwerkkunst ausgeführt, erlernt und präsentiert. Es ist ein Projekt des Dalai Lama diese Künste zu fördern. Es war sehr aufschlussreich diese Ateliers zu besuchen. Auch befindet sich in der Nähe ein Nonnenkloster. Da wir keine Gelegenheit hatten mit den Dalai Lama persönlich zu sprechen, freuten wir uns auf den Nachmittag mit der deutschen Buddhistischen Nonne. Wir konnten sie alles fragen und das taten wir auch.
Hier die Zusammenfassung ihrer Antworten. Sie wurde Nonne, weil sie immer mehr und intensiver mit dem Buddhismus beschäftigte und irgendwann keinen weltlichen Job in Deutschland mehr ausführen wollte. So entschied sie Nonne werden und den Buddhismus zu studieren. Mit der Ordination erhielt sie das rote Gewand, das aus einem Rock und einem T-Shirt besteht, worüber der lange rote Schal gewickelt wird. Ähnlich wie der in Indien übliche Sari. Auch die Glatze gehört zum Outfit. In den Haaren sitzen unsere Erfahrungen. Aus diesem Grunde schneiden z.B. die Sikhs niemals ihre Haare. Sie wollen nichts vergessen. Im Gegensatz der Buddhist, er möchte alle Anhaftungen loslassen. Ihre Mutter hat ihre Entscheidung respektiert, während ihr Vater mit ihr gebrochen hat sowie auch einige Freunde sich ebenfalls von ihr abwandten. Jedoch das erleben auch andere Menschen, wenn sie einen neuen Weg beschreiten. Der Alltag im Kloster ist wie im Ashram. Ein frühes Aufstehen so gegen 4 Uhr und Meditation, dann folgt Praxis, wie gemeinsames Rezitieren der Sutras. Weiter geht es mit Seva, also Karma Yoga, wie Pflichten im Haushalt des Klosters, dann der wichtigste Teil, das Studium der buddhistischen Lehren. Die Nahrung besteht aus Dal mit Reis und Reis mit Dal. Was mich überraschte war, die Nonnen müssen sich selber finanzieren. Es gibt keine Zuschüsse. Sie geben also nicht ihr Vermögen ab und erhalten dann alles was sie benötigen, sondern sie verfügen über eigenes Geld. Obwohl die Regel ja besagt, dass sie einfach und besitzlos leben sollten. Sie haben weder eine Krankenkasse noch bekommen sie sonstige Sozialleistungen. Man muss es sich also leisten können, Nonne zu werden. Das Kloster finanziert sich über die Gäste, die dort klösterliche Tage verbringen. Doch das langt nicht, um die Kosten zu decken.
7. New Delhi und Old Delhi – die Stadt mit vielen Perspektiven
Vom kleinen Flughafen in Dharamsala flogen wir nach Delhi. Dort verabschiedete ich die Gruppe, die sich zurück auf den Weg nach Deutschland machten. Ich hatte mich entschlossen noch eine Woche an die gemeinsame Zeit anzuhängen und alleine noch ein paar Abenteuer zu erleben. Discovery Journey (unser indischer Reiseveranstalter) hatte die Fahrkarten und Hotels für mich organisiert
Wow – erstaunlicherweise wurde ich von einer dicken Limousine und einem sehr gut aussehenden Sikh abgeholt und zu meinem Hotel gebracht. Dieses lag mitten in Delhi in einem Wohnviertel an einer großen verkehrsreichen Straße. Aber mein Zimmer war ordentlich, sauber und ruhig nach hinten raus. Ich konnte mit offenem Fenster schlafen. Auch wanderte ich ein wenig durch den Stadtteil und stellte fest dass es interessante Architektur bei Mietshäusern gibt, mit Bäumen gesäumte Straßen, überall zwischendrin kleine Parks und unterschiedliche Geschäfte. So ganz anders, als dort, wo die Touristen laufen. Mir gefiel es hier.
In Amritsar hatte ich eine Inderin aus Delhi kennengelernt und mit ihr verabredete ich mich für den Abend. Ich sollte zu einem Starbrocke am Connaught Place kommen. Ohne zu wissen was mich erwartet, nahm ich mir ein Tucktuck und ließ mich zu dem Platz fahren. Der Platz ist riesig. Gebaut in den 30igern im Kolonialstil sieht er aus wie ein europäisches Zentrum mitten in Indien. Er besteht aus einem inneren Zirkel in dem sich ein gigantischer Park befindet und einem äußern Zirkel mit radialen sternenförmigen Straßen. Es ist eine überdimensionale Shoppingmeile. Wie sollte ich hier Starbrock finden. Zumal leider mein Telefon außerhalb des Hotels nicht funktionierte. Ich hatte es nicht geschafft, mir eine E-SIM runterzuladen. An zahlreichen Geschäften vorbeischlendernd wurde ich von einem Inder angesprochen, der mir Komplimente zu meinem roten Kleid machte und meinte ich sehe aus, als wenn ich etwas suchen würde. Wohlwissend, das manche Menschen Geld damit verdienten, das sie anderen dorthin führen oder etwas zeigen, antwortete ich, dass ich mit einer Freundin bei Starbrock verabredet sei und nicht genau wüsste, wo es ist. Ich hatte es mir zwar vorher im Internet angeschaut, wäre aber überfordert mit der Größe des Platzes. Es war gar nicht mehr weit und er brachte mich dort hin und lud mich noch auf einem Café ein. Wie überraschend. Wir plauderten nicht lang, denn er musste weiter. Ich kaufte mir noch ein Brötchen und wartete. Doch Harsimran kam nicht. Nach einer Stunde fragte ich meine Tischnachbarin, ob ich mich mit ihrer Telefonnummer ins W-LAN ein loggen könnte (es ging nur mit einer indischen Nummer). Und siehe da, Harsimran saß in einem anderen Starbrock, ziemlich weit von mir entfernt und wartete auch schon eine Stunde. Da sie mit ihrer kleinen Tochter unterwegs war, wurde es ihr inzwischen zu spät. Schade, so haben wir uns verpasst. Ich hätte sie gern wieder getroffen und mehr von dem Leben in Delhi aus erster Hand erfahren.

Am darauffolgenden Tag machte ich mich auf den Weg mit dem Tucktuck nach Old Delhi.
Das war sehr spannend. So gegen 9 h morgens ging ich ein Stück in die Hauptstraße entlang, gegenüber des roten Forts, dass ich später besichtigen wollte. Die Straße war wuselig. Links und rechts säumten sehr alte, teilweise prachtvolle, aber total zerfallene Häuser die Straße. Unten gab es zahlreiche Läden. Hier fuhren zwischen den Fußgängern nur noch Fahrräder und Rikschas. Doch Touristen wie ich waren noch nicht unterwegs. So genoss ich die lebendige Atmosphäre und bekam an einem Blumenstand, den ich bewunderte, eine Blume geschenkt. Ich steckte sie ins Haar, trank noch einen Tee in einem kleinen Teehaus und ging die Straße zurück zum roten Fort.
Der Mogulkaiser Shah Jahan ließ das Rote Fort als kaiserliche Residenz in der von ihm neu gegründeten Hauptstadt Shahjahanabad zwischen 1639 und 1648 erbauen (er hat auch den Taj Mahal bauen lassen).
Das Rote Fort hat mich echt beeindruckt. Es ist aus rotem Sandstein gebaut und besteht aus mehreren Gebäuden, die in einem herrlichen angelegten Park stehen. Die Paläste habe ich sehr bestaunt. Zu den beeindruckendsten Bauwerken gehören das Trommelhaus, die Perlenmoschee und das Khas Mahal. Das Khas Mahal ist der Privatbereich des Kaisers und hat total aufwendige Verzierungen, die den Glanz und die Pracht der Mogulzeit widerspiegeln. Im Süden der Anlage ist das Mumtaz Mahal, auch bekannt als „Palast der Juwelen“ zu sehen. Es wurden persische, indische und islamische Architekturstile auf harmonische Weise verbunden. Die äußeren mehreren Mauern sind 2,5 Kilometer lang und umschließen die Palast- und Festungsanlage. Die Festung wurde direkt an den Fluss Yamuna gebaut. Denn wie in jedem orientalisch, moslemischem Gebäude gibt es zahlreiche Wasserspiele und Springbrunnen. „Wasser ist Leben“ sagen die Orientalen.
Doch in der Vergangenheit wurde es immer wieder von verschiedenen Völkern kriegerisch angegriffen und erobert. 1737 von der Armee des persischen Shah und 1761 wurde es erneut erobert und geplündert, diesmal von einer afghanischen Armee. Nach der Niederschlagung des indischen Aufstandes 1858 und der Absetzung des letzten Großmoguls, übernahmen die Briten das Fort und zerstörte einige der Pavillons und Gärten, um Kasernen zu errichten. Das gesamte Mobiliar der Residenz wurde ebenfalls von ihnen zerstört oder entwendet.
Um die Jahrhundertwende, 1900 wurden Teile der Anlage und der Gärten restauriert. Heute gehört das Rote Fort zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Indiens. Seit Juni 2007 ist die gesamte Festungs- und Palastkomplex in die Liste des schützenswerten Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen.
Nach der Besichtigung benötigte ich eine Stärkung und ließ mich auf eine Fahrt mit der Rikscha durch Old-Delhi ein. Mein netter Rikscha-Fahrer zeigte mir die Sehenswürdigkeiten von Old-Delhi, das Rathaus, den wunderschönen Sikh-Gurdwara, aber am meisten hat mich der Gewürzmarkt begeistert. Hier war es so eng, dass auch mein Rikscha-Fahrer mit mir zu Fuß ging und der Geruch so intensiv, dass ich ständig nießen musste. Es war so lebendig, farbenfroh, laut und interessant. Hier kauften auch die Großhändler. Männer schleppten riesige Säcke und überall wurde gehandelt. Ich habe eine kleine Tüte von einer Gewürzmischung für Kartoffeln gekauft. Mal sehen wie es schmeckt.
Danach machten wir uns hungrig auf zu einem Stand, der lecker Street Food verkaufte. Wir aßen zusammen. Hm, das war das Beste, was ich in Delhi gegessen hatte.
8. Rishikesh – Bollywood und die Erholung im Veda 5
Früh morgens holte mich meine Limousine mit dem netten Sikh-Fahrer wieder ab und brachte mich zum Bahnhof. Denn ich hatte eine Fahrkarte nach Hardiwar. Das ist das Nachbarstädtchen von Rishikesh. Meine Zugfahrt dorthin dauerte 5 Stunden, obwohl es nur ca. 230 km entfernt von Delhi ist. Zum Glück wird man im Zug mit Süßigkeiten, Tee, Kaffee und sogar mit Mittagessen versorgt. Alles im Preis (20 €) inbegriffen. Die Zugfahrt war kurzweilig, weil eine nette Inderin neben mir saß, die hervorragend englisch sprach.
Ab Hardiwar nahm ich mir ein Taxi nach Rishikesh. Für mich war Rishikesh die „Welthauptstadt des Yoga“. Es liegt am Ganges im indischen Uttarakhand am Fuße des Himalayas.
Auf Empfehlung einer Freundin hatte ich ein Wellnesshotel gebucht. Nach Rishikesh fährt man ungefähr eine Stunde mit dem Auto. Doch oh Wunder, wir fuhren durch die Stadt durch auf einen landwirtschaftlichen Nutzweg. Meine Frage wohin es denn ginge, beantwortete der Fahrer mir: Veda 5 liegt außerhalb“. Es war gefühlt sehr weit außerhalb! Noch eine Stunde fuhren wir über die stark befahrene Hoppel Piste entlang des Ganges. Hier stellte ich fest, dass Rishikesh neben Yoga ein Hotspot für Abenteuersportarten wie Wildwasser-Rafting, Bungee-Jumping, Camping und Trekking ist – und scheinbar alle auf diesem Weg unterwegs waren, hauptsächlich mit Jeeps und Schlauchbooten auf dem Dach.
Nun gut, irgendwann kamen wir an! Alle Glocken läuteten, als ich das sehr weit oben am Berg gelegene Gelände von Veda 5 erreichte. Ich wurde mit einem Erfrischungsgetränk begrüßt, bekam einen Punkt zwischen die Augenbrauen gemalt und einen bunten Schal umgelegt. Ich fühlte mich willkommen und angekommen. Dann bezog ich mein wunderbares großes, geräumiges Zimmer mit einem Bad, wie ein Haman. Dazu gehörte auch ein großer Balkon, die Tür sollte ich allerdings immer schließen, wenn ich nicht da sei, weil die Affen gerne die Zimmer durchstöbern.
In einer malerischen Umgebung mit Dschungel und Bergen verbrachte ich nun 4 erholsame Tage nach all meinen Abenteuern. Jeden Tag hatte ich ayurvedische Anwendungen und Massagen, besuchte 2 Yogastunden, lag am Pool, ging zur angeleiteten Meditation und erhielt gesundes Essen nach meinem Dosha. Dabei lernte ich die anderen Gäste kennen. Es gibt nur 26 Zimmer. Wir waren aber nie mehr als 12 – 15 Gäste. Es war ein wunderbarer Ort, um zu relaxen.

Einmal fuhr ich mit dem Taxi nach Rishikesh rein. Schließlich wolle ich es erleben. Der Ort bietet eine Mischung aus Ashrams und Yogaschulen und ein Gefühl in Bollywood zu sein. Reisende aus der ganzen Welt sind von diesem Ort angezogen, alle auf Sinnsuche und Abenteuer. Es ist eine einzigartige Mischung aus tiefer Spiritualität und Naturerlebnis. Ich ließ mich durch den Ort treiben und ihn auf mich wirken, nahm mein Bad im heiligen Ganges, der hier noch sauber ist und ging über die berühmte Lakshmi Brücke. Jeden Abend findet hier die Ganga Aarti, eine wundervolle spirituelle Lichtzeremonie statt. Es werden kleine Öllampen entzündet und Blüten dem Gott Ganga geopfert. Dabei singen die Kinder aus dem Ashrams Bajans. Sehr spirituell und berührend.
Außerdem besuchte ich den ehemalige Beatles-Ashram (Mahesh Yogi Ashram). Maharishi war der Yogi, der bekannt wurde, weil er die transzentrale Meditation in den Westen brachte. Es handelt sich dabei um eine stille Meditation mit Hilfe eines Mantras.
Zerfallen und verwildert liegt er nun gegenüber von Rishikesh mit Blick auf den Ganges. Ich bestaunte die Größe des Ashrams, die runden Häuschen, wie im Trulli-Land in Italien, die großen Meditationsräume und schaute mir die vergilbten Fotos der Beatles von 1968 an, als sie hier ihre Spiritualität entdeckten. Zahlreiche Songs wurden hier geschrieben und sind an den Wänden verewigt. Auch Fotos und Songs von anderen Musikgrößen hingen hier aus.

9. Die Rückreise
Da die Zugfahrt ließ ich sausen und entschied mich kurzfristig nach Delhi zu fliegen. Lara, eine attraktive junge Frau, die ich im Hotel kennen gelernt hatte und ich hatten denselben Flug und teilten uns das Taxi zum Flughafen. Der Fahrer hatte drei Stunden für die Fahrt eingeplant, doch wir waren schneller. So saßen wir dann drei Stunden auf dem Flughafen rum. Ich hatte meinen schweren Rucksack dabei. Auf den Langstreckenflügen darf der Koffer 20 kg Gewicht haben, aber auf den Inlandsflügen nur 15 Kg. Ich hatte ziemlich viel eingekauft. Das rächte sich jetzt, denn ich musste die 5. Kg in meinen Rucksack umlagern und sie schleppen.
Spät abends kamen wir in Delhi an. Leider konnte ich mich nicht mehr von Lara verabschieden, denn Amresh von Discovery Journey erwartet mich mit meiner Limousine und brachte mich zum Hotel. Ich fühlte mich wie eine Prinzessin, so behütet und versorgt. Das Hotel war unglaublich, sehr feudal aber ein wenig in die Jahre gekommen. Mein Zimmer hatte noch ein richtiges Schloss und lag im Erdgeschoss. Eine große Terassentür führte in den bezaubernden Garten. Der süßliche, unbeschreiblich Duft Delhis empfing mich und die Wärme streichelte meinen Körper. Leider flog ein Mückenschwarm in mein Zimmer so hatte ich die Nacht mit tanzenden Männern und singenden Frauen zu tun und habe nicht wirklich gut geschlafen. Dafür habe ich bei Sonnenaufgang das Jabji gelesen, Yoga praktiziert und meditiert. Die Pfauen im Garten wanderten schreiend an mir vorbei. Gerne wäre ich noch geblieben….
Jedoch nach dem Frühstück wurde ich abgeholt und zum Flughafen gebracht. Der Flug nach Frankfurt war lang. Dort angekommen nahm ich die S-Bahn zum Bahnhof. Wir fuhren vorbei am Stadion, das gleich neben den Gebäuden des Deutschen Turnerbundes lag. Alte Erinnerungen stiegen in mir hoch, hatte ich doch 25 Jahre hier viel Zeit verbracht.
Der Weg vom Bahnhof zum Hotel war nur 15 Minuten. Nie wieder werde ich mit einem großen Koffer reisen, das schwor ich mir auf diesem nächtlichen Weg. Das kleine, nette Hotel unter iranischer Führung war sehr gepflegt und die Rezeptionisten überaus sympathisch. Am nächsten Morgen hatte ich ja noch Zeit, bevor ich den Bus nach Frankfurt Hahn nehmen musste, so unternahm ich einen Rundgang durch die Stadt. Frankfurt hat mir all die Jahre immer gut gefallen. Auch heute schien die Sonne über den Main. Vom Ufer aus hat man eine gute Übersicht. Frankfurt ist eigentlich klein. Rechts vom Main liegt die Kunsthalle und die kleinen Häuser von Sachsenhausen, der Frankfurter Partymeile, gegenüber die Hochhäuser der Finanzwelt. Frankfurt ist das führende Finanzzentrum Deutschlands und einer der wichtigsten weltweit. Hier ist der Sitz der europäischen Zentralbank.
Nun war ich wieder im Christentum angekommen – komplett anderers. Für mich glauben die Christen an das Geld. Geld ist Macht. Begnadet ist der Reiche. Die Erde kann man ausbeuten, denn Gott sitzt im Himmel und da will der Christ ja auch mal hin.
Ich als Turnerin muss da auch noch erwähnen, dass die Turnbewegung in Frankfurt für Freiheit, Demokratie und vor allem für mehr Gerechtigkeit gestritten hat. Hier tagte 1948 auch die erste deutschen Nationalversammlung. Doch die Revolution scheiterte und die Turnvereine wurde verboten. Deshalb gibt es keine Turnvereine, die vor 1860 gegründet wurden. Zu dem Zeitpunkt wurde es den Arbeitern wieder erlaubt Sport zu treiben. Aber politische Arbeit blieb verboten.
Mittags nahm ich dann den Bus zum Flughafen Hahn und flog zurück nach Alicante. Am nächsten Tag begann mein Retreat „Erwecke die Göttin ich dir“! mit sechs wunderbaren Menschen, die mich schon freudig erwarteten.
Wahe Guru